Finnisch lernen auf die leichte Art!

Eine gehirn-gerechte Methode zum Sprachenlernen simuliert das Lernen der Muttersprache. Zuerst lernen Sie die Bedeutung der Klänge, denn Sprachen lernt man am besten durch Hören. Deswegen gibt es in meinem Sprachkurs Finnisch auch zu jeder Lektion zwei Audios: ein langsames zum gewöhnen und eines in normalem Sprechtempo. Aber zurück zum Thema…

Babys hören viele Jahre die Muttersprache (bereits im Bauch) bevor Sie selbst anfangen zu reden. Und Sie lernen selten Vokabeln oder Grammatikregeln, oder? Nutzen wir also den uns bereits eingebauten, natürlichen Sprachlernmechanismus so geschickt wie möglich, anstatt unter einem künstlichen System von Vokabelpauken und Grammatikregeln zu leiden.

Gehirn-gerechtes Finnischlernen erfolgt in vier Schritten:

  1. De-Kodieren
  2. Hören aktiv
  3. Hören passiv
  4. Sprechen aktiv

Das oft propagierte “von Anfang an sprechen” ist m.E. grober Unsinn, denn Sie wissen ja am Anfang noch gar nicht, wie Aussprache ist, Betonungen, Satzmelodie usw. sind. Sie übten also “von Anfang an” falsche Aussprache usw. ein. Und Umlernen ist bekanntlich anstrengend und langwierig. Tun Sie sich also selbst den Gefallen und lernen Sie auf intelligente Weise – widerstehen Sie der Versuchung zu früh sprechen zu wollen, einverstanden?

Schauen wir uns gemeinsam an, wie Sie die vier Schritte in die Praxis umsetzen.

Finnisch lernen – Schritt 1

1. De-Kodieren

In diesem Schritt wird der fremdsprachliche Text wörtlich und in der fremdsprachlichen Struktur übersetzt (de-kodiert). Die De-Kodierung wird unter das Original geschrieben.

Die Idee dahinter ist zu begreifen:

  • wie man in der fremden Sprache denkt und
  • die Struktur auf einen Blick erfassen zu können.

Ein Beispiel:

Minulla    on   nälkä.
Mein-auf  ist   Hunger.

Eine normale Übersetzung von “Minulla on nälkä.” wäre: “Ich habe Hunger.” Tatsächlich steht da aber, dass der Hunger AUF mir ist (so wie der Hut AUF meinem Kopf ist). Das deutsche, aktive Wort “haben” (omistaa) wird im Finnischen selten verwendet; gebräuchlich ist jene eher passive Formulierung: “auf mir ist”. Ausserdem sehen Sie sofort, dass die Wörter mein und auf zu einem zusammengefasst sind: meinauf bzw. im finnischen minulla (minun + lla).

D.h. Sie lernen durch die De-Kodierungen bereits “nebenbei” eine ganze Menge. Somit entfällt das Lernen von Grammatikregeln vollständig. Sie wissen dann zwar nicht, dass “minulla” die Adessiv-Konjunktion von „minun” ist, Sie können es aber verstehen und anwenden – und das ist schliesslich das Lernziel! Wenn ihnen Grammatik Spaß macht und Sie interessiert, hindert Sie natürlich niemand, Sie noch zusätzlich zu lernen. Nötig zum lernen und/oder beherrschen der Sprache ist es aber nicht.

Die De-Kodierungen der Texte meines Kurses habe ich bereits für Sie erstellt, so dass Sie sofort anfangen können mit Schritt Nr. 2:

Finnisch lernen – Schritt 2

2. Hören aktiv

In diesem Schritt verbinden Sie die das Hören des Textes mit der De-Kodierung. D.h. Sie hören sich den Lektionstext an, während Sie gleichzeitig die De-Kodierung lesen, und verbinden somit die Klänge mit der Bedeutung. Sie stellen sich z.B. ein Haus vor, während Sie das Wort hören. Sie begreifen während des Hörens die Bedeutung der finnischen Sätze, die Sie hören.

Es ist wichtig, dass Sie Texte hören und nicht isolierte Wörter. So lernen Sie immer in einem Kontext – wie Kinder ja im übrigen auch. Nur auf diese Weise begreift ihr Hirn die Struktur der Sprache. Nur so stellt sich später der Effekt ein, dass Sie intuitiv wissen, wie ein Wort oder eine Redewendung zu gebrauchen ist. Im Gegensatz zur Grammatik ist deswegen bei dieser Methode Vokabeln lernen verboten!

In Studien wurde nachgewiesen, dass Vokabellerner Wörter wie “HausTalo” speichern, also jedes Wort innerlich übersetzen müssen. Ganz anders mit dieser Methode: Sie verbinden ihr innerliches Bild eines Hauses mit dem Klang. Somit wird es auch viel leichter möglich irgendwann auf Finnisch zu denken, was Vorraussetzung für flüssige Gespräche ist.

Im Kurs sind zwei Audioversionen pro Lektion enthalten. Beginnen Sie mit der langsamen Audio-Version und hören Sie den Text so oft aktiv, bis Sie den Text auch ohne mitzulesen verstehen können. Am Anfang werden Sie regen Gebrauch von der Pausetaste machen, es wird aber schnell flüssiger werden.

Wenn Sie das langsame Audio gemeistert haben, arbeiten Sie mit dem im normalen Tempo gesprochenen Audio weiter. Der Schritt „Hören aktiv“ ist abgeschlossen, wenn Sie das Audio im normalen Tempo vollständig verstehen, ohne die De-Kodierung mitzulesen. Jetzt sind Sie bereit für den nächsten Schritt:

Finnisch lernen – Schritt 3

3. Hören passiv

Dieser Schritt ist sehr(!) wichtig und unverzichtbar für den Erfolg der Methode. Lassen Sie das Audio, das Sie jetzt aktiv beherrschen, “passiv” im Hintergrund laufen. Passiv bedeutet, dass es so leise sein soll, dass Sie es gerade noch wahrnehmen können. Dabei bildet das Gehirn automatisch neue Synapsen, Sie lernen die Aussprache, Satzmelodie, Betonungen sowie Sprachstruktur, die Wörter usw.

Das Audio läuft also kaum hörbar auf Endlosschleife im Hintergrund, während Sie z.B. ein spannendes Buch lesen, Fernsehen, Joggen, Musik hören, Abspülen, Emails lesen, bereits die nächste Lektion aktiv hören, Auto fahren, zu Abend essen, je nach Arbeitsplatz sogar bei der Arbeit… Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Seien Sie kreativ!

Wichtig ist, dass Sie sich NICHT bewusst auf das Audio konzentrieren; es geht um unterbewusstes  Lernen. Sie fragen sich, wie lange eine Lektion laufen soll, bevor Sie zum nächsten Schritt übergehen? Das kann ich pauschal nicht beantworten, ich persönlich habe Lektionen zu Beginn etwa eine Woche im Hintergrund laufen lassen (einige Stunden pro Tag!) und bin damit gut gefahren. Die Regel lautet: falls Ihnen der nächste Schritt schwer fallen sollte, dann haben Sie noch nicht genug passiv gehört.

Finnisch lernen – Schritt 4

4. Aktiv

ERST JETZT, dürfen Sie mit dem Sprechen beginnen. Sie haben die Lektion zig Mal bewusst aktiv gehört und unzählige Male passiv assimiliert. Ihr Gehirn hat die nötigen Verbindungen gebaut, damit Sie jetzt so sprechen können, wie ein Finne! Somit haben Sie dann auch keinen, oder aber nur einen schwachen Akzent. Ich möchte Ihnen jetzt einige Ideen geben, wie Sie das erworbene Wissen aktiv üben können. Die hier wiedergegebenen Ideen sind jene, mit denen ich persönlich arbeite. Am Schluss erfahren Sie, wo Sie noch zig weitere Übungen bekommen können.

Sprechen

Allgemein ist zum Sprechen zu sagen, dass die Satzmelodie, Rhythmus/Betonungen das Wichtigste sind. Selbst wenn einige Phoneme falsch ausgesprochen werden sollten so merkt man das kaum. Darin liegt ja eine der Stärken der Methode, dass durch das viele aktive und passive Hören genau das sehr tiefgehend vorbereitet wird.

„Chorsprechen“: Sprechen Sie mit der Aufnahme mit. Erst leise und mit zunehmender Sicherheit normal und später dann auch ganz ohne „Chor“ (=Audio)

Rollenspiel: Spielen Sie die Szene nach. Gestikulieren Sie, als ob Sie tatsächlich jemandem etwas erzählen würden.

Freies Sprechen: Versuchen Sie ein Thema aus der Lektion mit ihren eigenen Worten wiederzugeben. Am Anfang, werden Sie Satzteile umstellen, was völlig legitim ist (und erstaunlicherweise auch „richtig“ ist). Später, mit grösserem Wortschatz und Erfahrung werden Sie ganz leicht frei sprechen können.

Schreiben

Von De-Kodierung übersetzen: Die De-Kodierung ist so wörtlich wie möglich erstellt. Deswegen ist es möglich daraus das finnische Orginal „rück-zu-de-kodieren“.

Diktat: Hören Sie einen Satz, drücken Sie die Pausetaste und schreiben Sie den Satz auf. Dann weiter zum nächsten Satz.

De-Kodierung erstellen: Sie de-kodieren („übersetzen“) den finnischen Text, indem Sie die De-Kodierung unter den finnischen Text schreiben. Am Schluss vergleichen Sie ihre Version mit der „offiziellen“ von mir. Das ist eine gute Übung, vor allem auch dann, wenn Sie später eigene Texte erarbeiten wollen.

Lesen

Lektionstext lesen: Lesen Sie still den Text, den Sie bereits bearbeitet haben. Sie werden feststellen, dass das fliessend gelingt.

Buch lesen: Ich persönlich habe das mit Harry Potter gemacht. Dazu brauchen Sie natürlich das Buch zwei Mal, auf deutsch und auf finnisch. Im Internet können Sie diese problemlos beziehen. Kapitelweise habe ich zuerst die deutsche Version (mehrfach) gelesen und dann die finnische. Am Anfang werde Sie möglicherweise fast nichts verstehen, ausser einige bekannte Wörter. Aber Sie werden erstaunt sein, wie viel (nämlich fast alles) Sie nach einigen Kapiteln verstehen! Variante: lesen Sie parallel Satz für Satz.

Hören/Sehen

Meine absolute Lieblingsübung. Sie hat zwar mit dem Kurs nicht viel zu tun, ist aber trotzdem erstaunlich effektiv. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei obiger Buchleseübung. Sie schauen einen Film mehrfach auf Deutsch, bis Sie eine klare Vorstellung haben, was in den einzelnen Szenen passiert. Dann hören(!) Sie den Film einmal auf deutsch und stellen sich dabei die Szenen in ihrem Kopf vor. Jetzt können Sie den Film auf Finnisch anschauen und werden sehr schnell einen riesigen passiven Wortschatz aufnehmen!

Fazit

Mit dieser Methode ist es für jeden machbar auch eine so schwere Sprache wie Finnisch zu lernen. Hier gibt’s das Lernmaterial dafür: Finnisch lernen leicht gemacht

Zum Schluss dieser Einführung möchte ich ihnen noch dieses Buch von Vera F. Birkenbihl sehr empfehlen: Sprachen lernen leicht gemacht Darin finden Sie viele weitere Übemöglichkeiten, Tipps, Tricks und ausführliche Hintergrundinformationen zum Sprachenlernen.

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